Die Piste Nationale erklärt von Delphine Darbellay
Die 23-jährige Walliserin, derzeit verletzt, hat die Männerpiste von Crans-Montana besichtigt. Sie gibt Einblicke in die Geheimnisse des Kurses, den sie detailliert analysiert hat.
Die Piste Nationale ist eine legendäre Strecke. Austragungsort der Ski Weltmeisterschaften 1987, auf der unter anderem Peter Müller und Pirmin Zurbriggen gekrönt wurden. Auch wenn sie nicht zwingend die anspruchsvollste Strecke im Weltcup ist, ist der Walliser Kurs lang, knapp zwei Minuten Fahrzeit, und abwechslungsreich. Das ergibt eine Abfahrt, die von den meisten Athleten geschätzt wird und die bei den nächsten Weltmeisterschaften in einem Jahr ganz sicher den komplettesten Abfahrer küren wird.
Die erste Herausforderung für die Athleten besteht darin, den Start der legendären Abfahrt zu erreichen. Dafür geht es zunächst mit einer Gondelbahn, danach mit zwei Sesselliften, bis man den Gipfel der Bella Lui erreicht. Nach dem Öffnen des Startgates folgt der Schräghang der Bella Lui. «Es ist eher flach, und es ist wichtig, Geschwindigkeit aufzubauen», erklärt Delphine Darbellay, die den Kurs bei der Besichtigung analysiert hat. «Man muss die Ski laufen lassen.»
„Es wird viel Feingefühl gefragt sein“
«Es gibt ziemlich viele verdeckte Tore», ergänzt die Walliserin, Team Vizeweltmeisterin bei der Team-Kombination in Saalbach. Danach folgt der erste technisch anspruchsvolle Abschnitt der Piste. «Beim ersten Sprung, bei Cry d’Er, bleiben viele stehen, um die richtige Linie zu finden. Gerade bei Sprüngen ist das extrem wichtig, vor allem wenn die Linie verdeckt ist.» Anschliessend kommt ein Abschnitt mit Kurven und Gleitpassagen. «Es wird viel Feingefühl gefragt sein», ergänzt die Skirennfahrerin aus La Fouly.
Danach folgt das Flachstück der Houlès. «Das ist ein sehr flacher Abschnitt, man muss sich so klein wie möglich machen, um maximal Geschwindigkeit mitzunehmen», präzisiert Delphine Darbellay. «Hier sind Sekunden extrem wertvoll.» Im Mur des Mélèzes und in den Wellen im Wald befindet sich ein Abschnitt, den die 23-Jährige besonders schätzt. «Es wird schnell sein, aber die Fahrer können sich in diesen grossen Schwüngen richtig austoben.» Die Streckenbesichtigung hat eine ganz besondere Bedeutung, betont die Walliserin. «Sie ist entscheidend, um ein gutes Rennen zu fahren.»
Bevor es in den Zielbereich geht, warten noch ein Sprung und eine Traverse, danach der berühmte letzte Steilhang einer fast zweiminütigen Abfahrt. «Es ist eine schöne Piste, nicht zwingend die schwierigste für die Männer im Vergleich zu Kitzbühel oder Bormio, aber extrem vielseitig», betonte die Team Vizeweltmeisterin von Saalbach 2025 abschliessend.