Malorie Blanc: «Die schönste Piste im Weltcup»
Die Walliserin steht kurz davor, nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt in Crans-Montana ihre ersten Rennen im Ski Weltcup zu bestreiten. Mit Erinnerungen, die es zu verarbeiten gilt, vor allem aber mit viel Vorfreude und grossen Ambitionen. Begegnung.
Ihre letzten Wettkampfkurven in Crans-Montana endeten unschön. Vor knapp zwei Jahren verletzte sich Malorie Blanc dort am linken Knie, nach einer intensiven Abfolge von Junioren Ski Weltmeisterschaften und Europa Cup Rennen auf dem Haut-Plateau. Heute kehrt die Athletin aus Ayent mit einem breiten Lächeln nach Crans-Montana zurück, nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt, um hier ihre ersten Ski Weltcup Rennen zu bestreiten.
Malorie Blanc, was bedeutet es für Sie, Ihre ersten Ski Weltcup Rennen zu Hause zu fahren?
Ich freue mich riesig. Es stimmt, vor zwei Jahren blieb dieses Gefühl des Unvollendeten zurück. Das ist schon eine Weile her. Es ist wirklich schön, hierher zurückzukommen. Und der Ski Weltcup ist doch etwas anderes als der Europa Cup. Für mich ist das pures Glück.
Gab es vor dem ersten Training etwas Nervosität?
Nein, überhaupt nicht. Ich hatte es fast vergessen. Das erste Mal, als wir letzte Woche im Training wieder auf der Piste waren, dachte ich mir im Trou du Renard: «Ah ja, hier ist damals etwas passiert.» Zu Beginn hatte ich etwas Respekt, aber das war schnell vorbei. Die Bedingungen waren zum Zeitpunkt meiner Verletzung sehr speziell und ich war müde. Heute fühle ich mich körperlich bereit, das ist eine ganz andere Ausgangslage. Seitdem ist so viel passiert. Und ich habe diese Piste schon vorher geliebt. Ich würde sogar sagen, es war vielleicht der beste Ort, um sich zu verletzen (lacht).
Konnten Sie die Zeit zu Hause etwas geniessen?
Ja, und das hat extrem gutgetan. Nach Tarvisio brauchte ich dringend frische Luft. Wir hatten zwei Tage zu Hause, bevor wir für das Training nach Crans-Montana zurückgekehrt sind. Das hat mich in meine Kindheit zurückversetzt. Morgens von zu Hause losfahren, mit dem Auto hochfahren, hier ankommen und Freiwillige treffen, die ich kenne, das ist grossartig. Auch heute habe ich am Start wieder zwei oder drei Personen aus meinem Dorf gesehen. Das ist wirklich lustig. Ich habe das Gefühl, wieder Kind zu sein, und das ist unglaublich schön.
Sie kamen schon als Kind zu den Rennen hierher. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Ich erinnere mich, wie wir im Zielbereich auf die Athletinnen gewartet haben. Und wenn sich einige nicht Zeit nahmen, war das eine riesige Enttäuschung. Wir sagten dann: «Die ist nicht cool.» Deshalb versuche ich heute immer, anzuhalten, wenn Kinder da sind. Letztes Jahr war ich bei den Männer Rennen hier und die Begeisterung war enorm. Zum Glück hatte ich kleine Karten zum Verteilen dabei, die Leute haben sich extrem gefreut, mich zu sehen. Das berührt mich sehr.
Erinnern Sie sich nicht an den Sieg von Lindsey Vonn hier im Jahr 2008?
(Lacht) Wenn meine Rechnung stimmt, war ich damals vier Jahre alt, also nein, daran erinnere ich mich nicht.
Ernsthaft gefragt, was können Sie uns über die Piste Mont Lachaux sagen?
Ich kenne sie schon lange, aber sie im Ski Weltcup zu fahren, ist nochmals eine andere Dimension. Ich finde sie grossartig. Sie bietet alles, Kurven, bei denen man wirklich angreifen muss, Gleitpassagen. Ich denke, sie kann vielen Athletinnen gefallen. Für mich ist sie die schönste Piste im Weltcup, auch wenn ich vermutlich nicht ganz objektiv bin. Auf jeden Fall gefällt sie mir extrem. Ich werde versuchen, das Maximum herauszuholen und mein Skifahren bestmöglich zu zeigen, auf einer Piste, die mir sehr gut liegen kann.
Mit welcher Einstellung kommen Sie nach Crans-Montana, in einem etwas besonderen Kontext?
Ich weiss, dass viele Leute da sein werden, Menschen aus meiner Region. Ich würde gerne Emotionen mit ihnen teilen, aber ich konzentriere mich in erster Linie auf mein Skifahren. Was die Stimmung in Crans-Montana betrifft, habe ich mit Leuten von hier gesprochen, die sagen, dass diese Rennen guttun, dass sie frischen Wind bringen. Wenn wir einen besonderen Moment ermöglichen können, ist mir das sehr wichtig. Ich bin wirklich froh, dass diese Rennen stattfinden.
Man spürt auch eine grosse Solidarität rund um die Destination.
Ja, absolut. Es herrscht eine besondere Atmosphäre, man spürt, dass die Gedanken bei Crans-Montana sind. Das zeigt, dass wir zusammenhalten und gemeinsam nach vorne schauen. Aus Respekt gegenüber den Familien darf man die Dinge aber nicht aufwühlen. An sie zu denken, ist das Einzige, was wir tun können.
Sind die Olympischen Spiele bereits in Ihrem Hinterkopf?
Wir haben die Ausrüstung in Zürich abgeholt, das gibt natürlich einen kleinen Vorgeschmack. Aber hier stehen zuerst die Rennen an. Ich spüre, dass ich das alles richtig geniessen und Spass haben kann. Ich konzentriere mich auf dieses Wochenende, das emotional und energetisch sehr intensiv wird.
Ski Weltcup zu Hause, Olympische Spiele, müssen Sie sich manchmal kneifen?
Wenn ich zurückblicke, hier im Zielbereich, fühlt sich das alles sehr speziell an. Vor zwei Jahren war ich hier mit dem Schlitten unterwegs. Seitdem ist unglaublich viel passiert. Das kann fast schwindelig machen. Aber ich versuche, nach vorne zu schauen und nicht zu viel nachzudenken. Ich komme aus einer kleinen Station in der Nähe, der Weg war lang. Ich stehe seit sehr vielen Jahren auf Skiern. Heute ist es einfach nur Glück, und ich bin extrem dankbar, dass alles so kommt.
Sie haben nun eine neue Rolle im Speed Team. Ein ganzes Land steht hinter Ihnen. Denken Sie manchmal daran?
Sicher hoffen viele auf gute Resultate, aber ich versuche, realistisch zu bleiben und auf dem Boden zu bleiben. Es ist erst meine zweite Saison im Ski Weltcup. Man muss nehmen, was kommt, und das Beste geben. Natürlich habe ich Ambitionen für die Zukunft, aber ich denke langfristig. Mein Ziel ist es, mich dauerhaft im Ski Weltcup zu etablieren, nicht einen einmaligen Exploit zu erzielen. Ich möchte im Laufe meiner Karriere mehrmals auf dem Podest stehen. Wenn nicht morgen, dann vielleicht in zwei Jahren.